NABU Waldbreitbach informiert!
Der Kirchturm in Niederbreitbach ist ein sicherer Hort für bedrohte Vogelarten.
Dem Kirchturm in Niederbreitbach sieht man auf den ersten Blick nicht an, dass er für Turmfalke und Schleiereule einen sicheren Brutplatz bildet. Von außen glatt und ohne Nischen und Vorsprünge erscheint er recht lebensfeindlich.Als Anfang der neunziger Jahre eine Renovierung anstand, stellt die NABU Ortsgruppe den Antrag hier Nisthilfen für Schleiereulen und Turmfalken zu errichten. Der Verwaltungsrat der Kath. Kirchengemeinde entsprach unserer Bitte. Zwei spezielle Nistkästen wurden gezimmert und an den Schallöffnungen eingebaut. Schon kurze zeit später ist unsere Arbeit mit Erfolg gekrönt. Beide Kästen waren angenommen.Seit der Zeit können wir auf viele erfolgreiche Bruten zurückblicken.In diesem Jahr sind es 6 junge Turmfalken und 5 Schleiereulenküken die helfen die sicherlich hohen Bestandsverluste des strengen Winters zu mildern. Ein Grund für dieses schöne Ergebnis ist sicher der ungestörte und vor Freßfeinden, wie z. B. dem Marder, sichere Brutplatz, so wie ein gutes Beutetierangebot.Der Turmfalke, Vogel des Jahres 2007, ist nach dem Mäusebussard unsere zweit häufigste Greifvogelart in Deutschland.Ein anderer Name ist auch Rüttelfalke, der darauf hinweist, das er in Lage ist , nicht nur von einem Ansitz, sondern auch im Fluge rüttelt in der Luft steht und nach Beute, insbesondere Mäusausschau zu halten. Diese besondere Flugtechnik ist besonders in einer weiträumigen Agrarlandschaft ohne Ansitz von Vorteil. Wenn dann noch der knapp tauben große Vogel sein weithin hörbares Kikiki erschallen lässt, weiß auch der interessierte Laie, dass es sich hier um den Turmfalken handelt.Die Schleiereule, Vogel des Jahres 1977, ist unter den Europa 13 vorkommenden Eulenarten in vieler Hinsicht eine herausragende Erscheinung. Durch ihren herzförmigen Gesichtsschleier ist sie von anderen Eulenarten leicht zu unterscheiden. Eine weitere Besonderheit ist ihre Kulturfolge, das Schleiereulen ihren Brutplatz fast ausschließlich innerhalb menschliche Siedlungen wählen.Daraus ergibt sich für die Erhaltung der Arte eine besondere Verantwortung aller Besitzer mit geeigneten Gebäuden. Eine Verschmutzung durch Kot kann durch das Anbringen von Nistkästen, hinter einer Einflugluke verhindert werden.Die Vorfahren unserer Schleiereulen stammen vermutlich aus den Tropen. Dadurch sind sie bis heute, im Gegensatz zu vielen anderen heimischen Vögel nicht in der Lage Fettreserven für die kalte Jahreszeit anzulegen. Die Folge ist eine hohe Wintersterblichkeit in harten Wintern.
Dieser Mangel an Winterhärte hat sich nach langer Auslese zu einer besonderen Fortpflanzungsbereitschaft über mehr als 6 Monate entwickelt. Je nach Beuteangebot können in Mäusejahren bis zu drei Bruten mit bis zu 12 Eiern bebrütet werden. Durch diese Fähigkeit gelingt es der Art starke Winterverluste relativ schnell auszugleichen. Gebrütet wird nach der Ablage des ersten Eies, dadurch schlüpfen die Jungen auch unterschiedlicher Größe sind. Das hat für die Erhaltung der Arte einen wichtigen Vorteil. Es kann passieren, dass durch schlechtes Wetter die Beutetierpopulation zusammenbricht. Die nun stärkeren Erstgeschlüpften behaupten dann das wenige Futter für sich allein. Die Kleinen gehen Leer aus, verenden und werden nun selbst verfüttert. Durch diese, für uns Menschen grausame Verhaltensweise, wird wenigsten das Überleben einiger Jungvögel gesichert.
In den Jahren in denen die Kleinnager in nur geringer Artenstärke zu Verfügung stehen, sind die Gelege sowohl bei Turmfalke als auch bei der Schleiereule entsprechend geringer.Beide Arten sind für das Gleichgewicht unerer Natur von großer Wichtigkeit und als Teil unseres Naturerbes auf besonderen Schutz angewiesen. Bei fälligen Renovierungen von Dachstühlen mit Vorkommen von Turmfalken, Schleiereulen aber auch von Fledermäusen sind sowohl Bauherren als auch ausführende Handwerksbetriebe aufgefordert diesem Schutz Rechnung zu tragen. Der NABU ist dabei gerne behilflich.
Bericht: Gerd Hasbach