13.03.2017 Der Zustand der heimischen Fließgewässer am Beispiel der Wied

Vortragsveranstaltung NABU Waldbreitbach, Leitung: Walter Hammes

am Montag, 13.03.2017 im Hotel zur Post (im Rittersaal), 56588 Waldbreitbach

 

Am Beispiel der Wied wurde eindrucksvoll erläutert, wie sich unsere Fließgewässer in den letzten 80 Jahren durch menschliche Stressfaktoren und äußere Einflüsse verändert haben.

 

Im Laufe des Abends informierte Herr Hammes anschaulich und fachlich kompetent über Aufbau und Struktur der Wied und wie sich das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten im freien Wasserkörper, auf dem Gewässergrund und im Boden auf die Selbstreinigungskraft des Gewässers auswirken. Es wurde gezeigt wie sich die Veränderung einzelner Bestandteile auf das ganze System Fließgewässer und die lineare Nahrungskette auswirken.

 

Anhand von Fotos wurde verdeutlicht, wie anthropogene Stressoren gesunde Lebensräume verändern und was sich besonders negativ auf unsere Wasserqualität und den Lebensraum von Gewässerorganismen auswirkt. Besondere Belastungen entstehen z.B. durch Ausschwemmungen beim Anbau von Monokulturen, Überdüngung, Schadstoffeintrag, die massive Verwendung von Reinigungsmitteln (Phosphate, Stickstoff) und die Entsorgung von Arzneien und deren Nebenprodukten in den Wasserkreislauf.

 

Die Nährstoffanreicherung von nur 15 Millionstel Gramm gelöstem Phosphat in einem Liter Wasser bewirken auf dem Gewässergrund ein annähernd volles Algenwachstum. Ein stabiles Ökosystem Fließgewässer kann dieses über seine Lebewesen regulieren und ausgleichen. So könne Fische die  Algenteppiche auf dem Gewässergrund  abweiden. Damit kann eine Negativverkettung  unterbrochen werden.  

 

In den 60/70iger Jahren ist der Fischbestand durch Verunreinigungen aus den Klärwerken drastisch eingebrochen. Dies hat sich durch neue Techniken mittlerweile verbessert.

 

Eine detaillierte  Fischfaunaerhebung vom September 1992 belegt einen guten Fischbestand

zu dieser Zeit.  Beobachtungen von 1992 bis 1994 belegen nach Eintreffen des Kormorans an der Wied über die Wintermonate einen Schwund des Fischbestandes um ca. 95%. Der Kormoran fand in den Wiedauen ideale Fischfangbedingungen. Sein Überwinterungsstandort war das Urmitzer Wehrmit ca. 1.000 Exemplaren.

Mittlerweile sind 15 heimische Fischarten vom Aussterben bedroht. Zu 98 % sind nur noch sehr kleine Fische wie die Elritze, Schmerle und Groppe vorhanden. Mittlere und große Fischarten sind teils nicht mehr vorhanden bzw. in sehr geringen Stückzahlen auffindbar. Die Gefahr, dass ein großer Teil des Genpools Fischfauna für immer verloren geht ist sehr hoch. Dies muss unbedingt vermieden werden!

 

 

 Die Wied unterhalb von Niederbreitbach - Foto: Hammes

 

91 % unserer Binnengewässer in Deutschland sind in keinem guten Zustand bezüglich der geltenden EU-Wasserrahmenrichtlinie. Hier ist Handlungsbedarf erforderlich. Bedingt durch Einschwemmen von Millionen Tonnen abgestorbener Algenmassen bei Hochwasser in die größeren Flüsse und deren Einmündung in die Meere wie z. B. der Rhein sind erhebliche überregionale Belastungen vorhanden. Dies beklagen auch die Niederlande.

 

Es ist wichtig, für ein gesundes Wasserklima aller Bäche und Flüsse zu sorgen, dass wieder unterschiedliche Fischarten weiterleben können - nur so kann in  den Einzugsgebieten der Meere und Ozeane der Artenreichtum erhalten bleiben. Das bedeutet auch, dass Mensch und Tier in Zukunft weiterhin eine reichhaltige, gesunde Nahrungsvielfalt zur Verfügung steht.

 

Bei allen Fragen zum Thema wenden Sie sich bitte an Herrn Walter Hammes, Tel. 02638/5384 

 

17.10.2015 Naturnahe Gestaltung des Fockenbaches im Ortskernbereich von Niederbreitbach

Schon seit langem  bestand die Idee, den Fockenbach zwischen der Margarehta-Flesch-Straße und der Fockenbachstraße begrenzt durch zwei Mauern auf einen Gewässerabschnitt von ca. 120 m Bachlauflänge aufzuwerten und naturnah zu gestalten. Es ist schon eine Herausforderung  aufgrund der Gegebenheiten den kanalähnlichen Charakter des Gewässers mit symmetrischem  Querprofils zu entschärfen..

Durch die gute Zusammenarbeit des NABU Waldbreitbach vertreten durch Herrn Walter Hammes mit den zuständigen Behörden wie SGD Nord Montabaur, der örtlichen Kreisverwaltung, der Verbands- gemeinde Waldbreitbach sowie dem Ortbürgermeister  konnte eine Ausführungsplanung  erarbeitet und im Zuge einer Unterhaltungs-maßnahme umgesetzt werden.

Durch Basaltsteinlegung  im Randbereich der Gewässersohle an exponierten Stellen ergibt sich eine geschwungene Linienführung des Bachbettes mit Erhöhung der Vielfalt bezüglich des Fließverhaltens und eine Strukturverbesserung für Lebensräume.

In den geschaffenen Uferregionen der Steinlegung  können sich später standortgerechte Uferpflanzen ansieden wie z. B. Rohrglanzgras, Blutweiderich, Wasserschwertlilie, Kalmus, Waldsimse, Bachbunge wie es ansatzweise schon vorhanden ist.

Das Gewässer wurde ökologisch aufgewertet, die Selbstreinigungs- kraft des Gewässers erhöht und eine Habitatsverbesserung für Fische, Kleintiere sowie der vorkommenden Wasseramsel erzielt.

 

Zusätzlich wurden in dem Mittelbereich der Gewässersohle kleinere Störsteine eingebracht, die zwei Tage nach den Bildaufnahmen zwecks besserer Stabilität in das Bachkiesbett in Handarbeit eingearbeitet wurden.

Hierdurch wird ein höherer Gewässersohlenrauhigkeitsbeiwert erzielt und somit die Sohlenerosion vermindert.

Im laufe der Zeit wird sich das Gewässer aufgrund der veränderten Profilgebung durch nachmodulierter Struktur in der Fließdynamik verbessern.  

Zwecks Zielsetzung der Nachhaltigkeit  ist angelandetes Schwemmgut  wie z. B. Holz  zu entfernen und eventuell verschobenes Steinmaterial neu zu platzieren.

 

Der NABU Ortsgruppe Waldbreitbach der diese Renaturierungmaßnahme ins Leben gerufen und seit ca. 25 Jahren die Gewässerpatenschaft des Fockenbaches Bereich Niederbreitbach übernommen hat, trägt die Finanzierungskosten und beteiligte sich durch den körperlichen Einsatz von Herrn Hammes als Mitglied bei der Ausführung.

 

Als zusätzlich positiver Nebeneffekt kann dieses Projekt als Dorfverschönerungsmaßnahme bewertet und angesehen werden.

 

(Siehe eine Bildvorlage vor und zwei Bildvorlagen nach der Strukturverbesserungsmaßnahme als Anhang beigefügt, die den positiven Effekt bildlich wiedergeben sollen).

 

 

 

Walter Hammes, NABU Mitglied

Vor der Strukturverbesserung
Vor der Strukturverbesserung
Nach der Strukturverbesserung
Nach der Strukturverbesserung
Nach der Strukturverbesserung
Nach der Strukturverbesserung

28.09.2015   Öffentlichkeitsveranstaltung der GFG aus Mainz in der Kreisverwaltung Neuwied vom 24.09.2015  Thema „Der gute ökologische Zustand der Gewässer“.  Beitrag zur Diskussionsrunde vom NABU Waldbreitbach 

Um es in kürzester Form meine Damen und Herren Ihnen zu dem Thema 

ökologischer Zustand der Fließgewässer zum aktuellen wissentlichen Sachstand darzulegen ist folgendes mitzuteilen.

 

Wenn die entstehenden Kiesel- und Grünalgenbestände in der Gewässersohle der Fließgewässer durch Abweidung von stabilen Fischbeständen großer Fischarten wie z. B die Nase nicht erfolgt beginnt unweigerlich hieraus der Beginn einer negativen Kettenreaktion wie PH-Wert- Ammoniakerhöhung, Algensedimentationsablagerungen (Kolmation), Sauerstoffmangel, Wasserkleintierlebewesenreduzierung.  Das Gewässer wird ökologisch erheblich gestört, instabil und die Selbstreinigungskraft herabgesetzt. 

 

Eine Gewässeruntersuchung der Wied bei Niederbreitbach vom 26.8.15 auf Grundlage eines vereinfachten Verfahrens zeigt in einem mittelmäßig fließenden Gewässerabbschnitt von ca. 200 m Länge bei Niedrigwasserstand folgendes Ergebnis: In den Gewässerruhezonen mehrere mm starke zusammenhängende Algensedimentationsablagerungen, keine Wasserinsekten (Sauerstoffmangel), nur vereinzelt der Rollegel. Im Fließbereich  Algenbelag der Steine, 9 Wasser- insektenarten (ein Mittelwert). Sehr hohe Schmerle - Elritzebestände. Eine geringe Besiedlungsdichte des Makrozoobenthos aufgrund des wohl starken  Prädationsdrucks der Schmerle und Elritze sowie jahreszeitlich bedingt.  Die starke Populationsentwicklung der Kleinfische ist zurückzuführen auf das Fehlen großer Fischarten. Eine weitere Tatsache ist, daß die kleinen Fischarten nicht in das Beuteschema des Kormorans passen.

 

In Bezug der 50-ziger Jahre mit 20 Fischarten und ca. 10 Zentner Fischbesatz pro Flusskilometer (Netzfischen) bestanden stabile Verhältnisse in der Nahrungskette. Der Algenwuchs wurde abgeweidet ohne Folge der vorer- wähnten  negativen Auswirkungen. Wie die gesamte Kleintierlebewesenstuktur in den 50-zigern Jahren aussah weiß heute kein Mensch. Da keine vergleich- baren Verhältnisse vorliegen kann eine endgültige wissenschaftliche Bewertung hierüber bis heute noch nicht erfolgen (Bestandsstatus unbekannt). Die Hoffnung hierüber, eine annähernde Einstufung vornehmen zu können liegt unter anderem in dem Ergebnis einer Studie an der Nister, die noch nicht abgeschlossen ist (siehe Schema Ökosystem Nister).

Erfreulich ist, daß z. B. die Grundwanze der Gewässergüte 1 festgestellt wurde und auch die kleine Flussmuschel im unteren Bereich der Wied wieder  vorhanden ist. Dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass aufgrund vorgenannter Fakten der Zustand der Wied als unbefriedigend einzustufen ist. 

Ein Naturgesetz besagt, das ein zur Verfügung stehendes Nahrungsangebot einer Spezies deren Bestandsstärke reguliert. Ein nährstoffangereichertes Gewässer verursacht ein stärkeres Algenwachstum.

Hieraus resultierend ergibt sich ein größeres Nahrungsangebot für Fische. Deren Bestände vermehren sich. Ein Ausgleich ist geschaffen. Die sich stärker gebildeten Algenteppiche im Gewässer werden abgeweidet.

Das Ökosystem bleibt in einem stabilen Zustand wie z. B. in den 50-ziger Jahren an der Wied (siehe Bildvorlage).   

So sollte und müsste es heute sein. Es sind aber nur noch 2% bis 4% der

ursprünglichen großen Fischarten vorhanden. Hier liegt das Problem.

Sicherlich war in den 60-gern  und 70-gern Jahren ein Rückgang der Fischbestände durch uneffektive Kläranlagen unumstritten. Dies gehört aber 

schon lange der Vergangenheit an.

Die aktuellen Erkenntnisse wissenschaftlich belegt sehen in dem immer stärker auftretenden Kormoran als invasive Art die Ursache für das fehlen der großen Fischarten. Sollte der Kormoran aus den Binnenbereichen länderüber-

greifend nicht massiv zurückgedrängt werden, so kann die EU Wasserrahmen-

richtlinie nie erfüllt werden. Grundvoraussetzung sind stabile Fischbestände zu schaffen für die Gewässer 2. und 3. Ordnung. 

Das Thema Kormoran wie Vorkommen, Lebensweise, Populationsdynamik und Einfluß auf Fischbestände sollte bei einer der nächsten Veranstaltungen mit referiert und diskutiert werden um einen Einblick in die Problematik zu bekommen. Ein kompetenter Referent ist mir hierüber bekannt.

Zum Schluß ein weiterer Gesichtspunkt ist die Verringerung der Eutrophierung durch weitere Elimination der Stickstoffverbindungen und Phosphate um hiermit ein gemäßigteres Algenwachstum einleiten zu können. In Deutschland sollen angeblich 96% der Kläranlagen mit der 3. Klärstufe ausgestattet sein. 

Dies dürfte der Abbau der Stickstoffverbindungen wie Ammoniak und Ammonium earob im Zuge der Nitrifikation sein mit anschließender mikrobiologischen Reduktion von Nitrit (NO2) und Nitrat (NO3) ohne Zugabe von Sauerstoff zu elementarem Stickstoff, die sogenannte Denitrifikation.

  

Bei einer zweistufigen Klärstufe werden 80% - 85%  des Phosphates eliminiert. Durch  Zuschaltung einer dritten Klärstufe können ca. 98% Phosphatausfällungen erzielt werden. Zwecks Einhaltung der Messwerte für z B. 2mg/l bei Anlagen bis 100.000 EW hat sich in der Praxis das Ausflocken des Phosphates mittels Alu- oder Eisen- salzen bewährt. Einige ältere Kläranlagen besitzen diesen Teil der 3. Klärstufe bis heute noch nicht. Einige nachgerüstete Anlagen haben noch Handlungs- bedarf zwecks Einhaltung der vorgeschriebenen Grenzwerte. Eine Weiterent-

wicklung ist hier erforderlich. Die Kosten der Nachrüstung bezogen auf die Gesamtkläranlage sind als sehr gering einzustufen. 

 

Aufgestellt: Walter Hammes, NABU Ortsgruppe Waldbreitbach im Sept. 2015


Ist die Wied ein lebendiges Fließgewässer?

Jedes Jahr ab Frühjahr und Sommer steigt das Kiesel- und Grünalgenwachstum in der Wied und kann durch fehlende Fische wie vor allem die Nase nicht mehr abgeweidet werden. Im Zuge der Photosynthese der Algen am Tag steigende ph-Werte und zunehmende  Ammoniakbelastung, die hochgiftig für die noch verbliebenen Fische in der Wied sind. Ab Spätsommer sterben die Algen ab und verschlammen das Bachbett, welches zu einer Sauerstoffreduzierung in der Gewässersohle führt. Der nun fehlende Sauerstoff bewirkt die Reduzierung der Wasserkleintierlebewesen. Diese Kleintiere sind der Faktor für den ökologischen Zustand und  die Selbstreinigungskraft eines Fließgewässers. 

Mittlerweile ist die Besiedlungsdichte und Artenvielfalt der Fische und der Wasserklein- tierlebewesen  erheblich gestört und die Wied befindet sich in einem mangelhaften Zustand. Besonders in Staubereichen wird die Selbstreinigungskraft durch die Sedimentablagerungen und somit fehlenden Sauerstoff regelrecht aufgehoben.

Aber nicht nur dies, durch das Fehlen der großen Fischarten konnten sich  kleine Fischarten in der Wied stark vermehren wie z.B.die Elritze  Diese wiederum übt einen erheblichen Fressdruck auf die Wasserinsekten aus und sorgt für eine weitere Reduzierung derer Bestände. Ein Teufelskreis. 

Gewinner in der Vogelwelt ist der Eisvogel. Seine Beute ist die Elritze. Verlierer in der Vogelwelt ist die Wasseramsel. Sie ernährt sich von Wasserinsekten die nun fehlen.

 

Dies nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Bereich Ökosystem Fließgewässer.

 

Wo liegen die Ursachen für den mangelhaften Zustand unserer Gewässer 2. und 3. Ordnung im ganzen Land. Sind es die Kläranlagen oder die unerwartete Besiedelung fischfressender Vögel?

 

Ausführlichere Informationen zu diesem komplexen Thema erhält man unter der Tel. Nr. 02638/5384. Fachvorträge hierüber finden Sie hier


18.05.2015   Öffentlichkeitsveranstaltung „Lebendige Gewässer“ SGD Nord

Kurzvortrag:

Jedes Jahr dasselbe, ab März im Fließgewässer starkes Kiesel - und Grünalgen- wachtum. Im Zuge der Photosynthese am Tag Spaltung freier und gebundener Kohlensäure ( H2CO3 zu Wasser und Kohlendioxyd. Dadurch schwinden der Säureanteile im Gewässer. Anhebung der ph-Werte zwischen 9,5 und 10. Paralleler Anstieg des Sauerstoffgehaltes bis 250 %- ziger Sättigung.

Anstieg des hochgiftigen Ammoniak NH3 mit zunehmendem ph-Wert u. Temperatur. Hochgiftig für Fische.

Nachts dreht sich das Verhältnis um. Über die Zeitachse ergibt sich eine andeutende Sinuskurve. Jeden Tag im Frühjahr und Sommer dasselbe. Alles das eine Gefährdung und Lebensbedrohung für Fische.

Aber nicht nur dies: Ab Spätsommer Absterben der Algenmassen mit Zusetzung des Flussbodengerüstes im Zuge der Kolmatierung. Es erfolgt die Zuschwemmung der wichtigen Hohlräume im Kiesbett mit Sauerstoffzufuhr- verhinderung. Pilzbefall des Fischlaiches, zusätzliche Jungfischbelastung. Ebenso erhebliche Einbuße der Benthosfauna vom Makrozoobenthos bis hin zum Mikrozoobenthos. Hiervon hängen entscheidend der ökologische Zustand und die Selbstreinigungskraft eines Gewässers ab. (Erläuterung Benthosfauna) Die Bewertung nach Perlodes in Bezug auf Besiedlungsdichte, Artenvielfalt

pro Flächeneinheit der Benthosfauna zeigt für die Wied z.B. von Rossbach über Niederbreitbach bis Datzeroth hinaus einen unzufriedenen Zustand.

 

Historik Wied

Bereits vor dem Krieg und in den 50-ziger bis Anfang der 60-ziger Jahre wurden noch bei 4 km Flußlänge Bereich Niederbreitbach beim jährlichen Netzfischen ein, teilweise zweimal pro Jahr je 12 bis 14 Zentner Fisch gefangen. Mit dem noch vorhandenen Restfischbestand im Gewässer ergeben sich gute 7 bis 8 Zentner pro Flusskilometerlänge. ( siehe Bildvorlage )

Nach Anschluß der Wohnsiedlungen an die neu errichteten Abwasserkanalnetze ab der 60-ziger Jahre mit Aufschaltung an die uneffektiven Kläranlagen mit nur einer unzureichenden mechanischen Klärstufe (Durchlaufbecken), bewirkten eine erhebliche biologische Wasserbelastung mit der Folge , das der Fischbestand um über 3/4 einbrach.

Bei Nachrüstung der Klärsysteme ab den 80-zigern Jahren mit besserer Feststoffausfilterung und der nachgeschalteten biologischen Abbaustufe stellte sich eine erhebliche Wasserqualitätsverbesserung ein, mit der Folge, dass der Fischbestand sich stabilisierte und wieder leicht zunahm.

Unerwartet brach ab den 90-ziger Jahren der Kormoran im Gruppenverband in das Gewässer regelmäßig ein bis die Bestände fast erloschen waren. Viele Zeitzeugen bestätigen dies.

Seit ca. 15 Jahren tritt er im Verband nicht mehr auf. Es ist ja auch keine lohnenswerte Nahrung mehr vorhanden. Der Kormoran hat eine andere Strategie entwickelt. Er tritt in Kleinstgruppen in Abständen von mehreren km am Fließgewässer ganzjährig auf und verhindert die Populationsentwicklung der Fischbestände bereits im Ansatz. ( Beobachtungen mehrerer Personen Bereich Neustadt bis Niederbieber).

 

Fakt ist:

Fische sind ein völlig unterschätzter Bestandteil zur Selbstreinigungskraft der Gewässer als Weidegänger zur wichtigen Reduzierung der Algenbestände und folglich Rückgang der Kolmation, pH-Wert und Ammoniaksenkung sowie Stärkung der Kleinwassertierfauna. Weiterhin als Fressfeind für ein ausgeglichenes Ökosystem in der Nahrungskette. Der wichtigste Algenpflanzenfresser ist die Nase.

Beispiel: 270 Tonnen Algenverzehr bei 30 Tausend Nasen bei 42 km Flusslänge sowie Algenverzehr 50 g pro Fisch/ Tag an 180 Tagen im Jahr.

Nur bei einer stabilen Fischpopulation kann die Selbstreinigungskraft eines Fließgewässers möglich sein, und somit dem §1 der Wasserrahmenrichtlinie erfüllt werden. (Schema vorzeigen Aufbau Ökosystem Fließgewässer). Anschließend Ergebnis Elektroabfischen erläutern.

 

Schwachstelle der Abwasserentsorgung aufgrund 20-jähriger praktischer Erfahrung:

Bei einem Abwassermischsystem wird die Schmutzwassergrundlast einschl. der maximal doppelten Menge an Regenwasser der Kläranlage zugeführt.

Der Kläranlage sind unterirdische uneinsehbare Mischwasserrückhaltebecken vorgeschaltet. Die ungesteuerten Rückhaltebecken bestehen aus einem Zu- Ablauf sowie einem Notüberlauf mit direkter Einleitung in ein Gewässer. Von der Größe her sind die Becken für einen 20-minütigen Starkregen ausgelegt. Regnet es länger, läuft das stark verdünnte Mischwasser direkt über den Notüberlauf in das Gewässer ein. Da gleichzeitig dann ein Gewässer Mittel- Hochwasser aufweist verdünnen sich weiter die Belastungsstoffe. Hiermit wird ein Maximum getan um einen ökologischen Schaden zu vermeiden.

 

Auftretende Störfälle:

Ist der Ablauf teilweise oder ganz durch Steinmaterial, Stoffteile oder sonstige Materialien verstopft, so wird das Schmutzwasser unbemerkt in ein Gewässer direkt über den Notüberlauf eingeleitet. Ist der Kläranlagenzulauf gedrosselt, warum auch immer, staut sich das ankommende Schmutzwasser im Rückhaltebecken und läuft dann ebenfalls über den Notüberlauf konzentriert bis leicht verdünnt ebenfalls direkt in das Gewässer.

Defekte nicht im Nennbetrieb arbeitende Förderpumpen oder sogar deren Ausfall können im Störfall das Einleiten des Schmutzwassers direkt in ein Gewässer ebenfalls bewirken.

Bei größeren Höhenunterschieden im Abwasserkanalsystem kann die Potentialkraftübertragung an einer Abzweigstelle zu einem unerwünschten Rückstaueffekt der Abwässer führen.

(siehe Bildervorlage)

Abwassereinleitungen dieser Art können örtlich vor allem im Bereich Gewässer dritter Ordnung zu einem Artensterben der Gewässerlebewesen auf mehreren Bachkilometern führen.

Diese Störfälle verschiedenster Art zwingen zur Notwendigkeit einer Kontrolle der Notüberläufe bestehender älterer Mischwasserrückhaltebecken. Der Einbau z. B. eines nachzurüstenden Mediumschalters im Beckenbereich der Notüberläufe gekoppelt an eine autarke Funkstation zwecks Anbindung an die Fernwerktechnik der Kläranlage ermöglicht dies. Eine zusätzliche Aufschaltung an ein Mobilgerät erzielt eine 24-stündige Überwachung.

Hier können zum Beispiel alle Mischwasserregenrückhaltebecken in einem gesamten Verbandsgemeindebereich rund um die Uhr überwacht werden. Beim Störfall können kurzfristig Maßnahmen zur Behebung ein- geleitet werden.

Es bedarf der Antragstellung zur Ergänzung der gesetzlichen Rahmenbe- dingung für bestehende Mischwasserrückhaltebecken national und EU weit. Neuanlagen im Abwasserkanalsystem werden neuerdings bereits so geplant, das die Abwässer komplett der Kläranlage zugeführt werden mit kontro- lierter Oberflächenwasserzufuhr.

Am Ende der Öffentlichkeitsveranstaltung wurde das erste Thema in einem Kurzvortrag wie vor verfasst meinerseits vorgetragen.

Bei dem Beitrag zur Abwasserentsorgung ist schriftlich die Ergänzung zur gesetzlichen Rahmenbedingung zwecks Überwachung der Notüberläufe der Mischwasserrückhaltebecken eingereicht worden. Als Institution steht hierfür NABU Waldbreitbach.

 

Neuwied, Volkshochschule Hedddesdorferstr. 33


Walter Hammes, NABU Mitglied 


20.03.2015   Wie stark belasten unsere Kläranlagen die Gewässer?

Wie stark belasten unsere Kläranlagen die Gewässer?                                                                                                              

Hierzu eine kurze Einleitung.

Zur Entsorgung unseres Schmutz- und Regenwassers gibt es zwei Möglichkeiten. Zu einem die Kanalführung über eine gemeinsame Leitungsführung. Hier spricht man von einem Mischsystem. Zum anderen von zwei getrennten Leitungen im Kanalsystem. Hier spricht man vom Trennsystem.

Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Sie sind preislich etwa gleichwertig.

Betrachten wir die Kapazität einer Kläranlage so wird diese über die Einwohnerzahl sowie den Verbrauch in der Industrie und Landwirtschaft ermittelt. Hier spricht man von Einwohnergleichwerten. Bei der Planung wird eine größere Anlagenkapazität ermittelt um vorgesehene  Neubaugebiete bzw. Gewerbegebiete für die Zukunft mit einzubeziehen.

Die ermittelte Einwohnergleichwertzahl stellt die anfallende Schmutzwassergrundlast dar, die die Kläranlage zu reinigen hat.

Bei der Dimensionierung der Anlage wird die doppelte Menge an Regenwasser zusätzlich zur Schmutzwassergrundlast mit berücksichtigt. Diese Mischwassermenge wird im Zulauf der Kläranlage entsprechend begrenzt um die vorgegebenen Reinigungswerte einhalten zu können.. Das nun im Vorfluter ankommende Wasser ist gereinigt und bei modernen Anlagen sogar trinkbar. Es wird in die Gewässer unbelastet eingeleitet.

Zwecks hydraulischer Entlastung einer Kläranlage werden Regenentlastungsbauwerke  wie z. B Durchlaufbecken, Regenrückhaltebecken, Fangbecken und Stauraumkanäle im Kanalsystem installiert.

Betrachten wir die in unserer Region häufig eingebauten unterirdischen Regenrückhaltebecken die im Mischsystem eingebaut sind. Sie speichern bei Starkregen die verdünnte Mischwassermenge und gibt sie verzögert und gedrosselt anschließend in der Kanalisation zur Kläranlage weiter zwecks Reinigung. Die Dimensionierung eines Regenrückhaltebeckens wird ausgelegt für einen Starkregen mit einer Dauer von 20 Minuten im Zusammenhang mit der berechneten versiegelten Fläche. Ein Regenrückhaltebecken ist ungesteuert, es besteht aus Zu-Ablauf und einem Notüberlauf.

Im Jahr kann es mehrmals zu größeren Niederschlagsmengen kommen, dann springt das Überlaufbecken an, das heißt, das vielfach verdünnte Mischwasser wird in das Gewässer direkt eingeleitet und belastet dieses.

Da zeitgleich ein Fließgewässer dann Mittel-Hochwasser führt ist eine weitere Verdünnung an Belastungsstoffen gegeben. Hier wird über den Notüberlauf ein Maximum getan, um einen ökologischen Schaden zu vermeiden. Um den Notüberlaufbetrieb noch seltener auftreten zu lassen währe es sinnvoll die Regenrückhaltebecken in ihrer Dimension um 50 % größer auszulegen (30 min Starkregen als Bemessungsgrundlage). Dies ist aber eine Kostenfrage.

Auftretende Störfälle die zu einer erheblichen Belastung von Gewässern  mit Artensterben von Fischen und der Benthosfauna führen können.

Betrachten wir das Regenrückhaltebecken wenn der Ablauf teilweise oder ganz durch z. B. Steinmaterial, Stoffteile oder sonstige Materialien verstopft ist. Das konzentrierte Schmutzwasser sammelt sich im Regenrückhaltebecken bis es über den Notablauf direkt in das Gewässer eingeleitet wird.

Wenn dies noch ungünstig über längerem Zeitraum ohne Niederschläge erfolgt, ist z. B bei einem Bach über einen langen Gewässerabschnitt ein komplettes Artensterben der Auslöser. Die Einleitstelle ist dann aufgrund seiner Farbgebung am Gewässer gut erkennbar. Ein weiterer Störfall ist gegeben, wenn der Zulauf zur Kläranlage derart gedrosselt ist, dass die Menge des ankommenden Schmutzwassers sich im Regenrückhaltebecken staut und über den Notablauf direkt ins Gewässer gelangt. Dies kann auch bei geringen Niederschlägen der Fall sein.

Im Bereich eines vernetzten Kanalsystems kann es bei falscher Handhabung von Bedienungselementen dazu führen, das ebenfalls konzentriertes Abwasser in Gewässer eingeleitet werden. Ebenfalls beim Ausfall von Förderpumpen. 

Eine weitere Problematik besteht dann, wenn aufgrund von Ausweisung weiterer Wohn- Gewerbegebiete die Kläranlage unterdimensioniert ist. Um Störfälle dieser Art zu vermeiden ist eine permanente Kontrolle der Kanalsysteme und der Kläranlagen erforderlich.

Vor allem die Notüberläufe von Regenrückhaltebecken mit Mischwasser  sind regelmäßig in Augenschein zu nehmen. Sollten diese bei geringen Niederschlagsmengen oder an trockenen Tagen in Betreib sein, so ist die höchste Alarmstufe  auszurufen. Ein schwerer Störfall liegt vor. Hier befindet sich die Schwachstelle des Klärsystems. 

Durch die biologische Reinigungsstufe erfolgt der Abbau organischer  Stoffe. Nitrat, Phosphat und Sulfat. Durch die Zugabe von Fällmitteln wie Eisen- und Alusalzen kann das Phosphat chemisch gebunden und durch Flockung eliminiert werden. Dies ist wichtig zur Vermeidung von Eutrophierung des Vorfluters und somit der Gewässer.

Der ph-Wert kann durch Zugabe von Säure oder Base reguliert werden. Ein Restabbau von Arzneimitteln aller Spurenschadstoffe und hormonwirksamer Stoffe sowie Krankheitserreger können über eine vierte Klärstufe chemisch gebunden, ausgefiltert, neutralisiert oder abgetötet werden. Hierzu zählen die Verfahren der Ozonung, UV-Bestrahlung sowie der Einsatz von Aktivkohlefilter.

Die Entnahme von Wasser aus dem Vorfluter nach vierter Klärstufe  hat Trinkwasserqualität.

Auch wenn diese Schadstoffe noch in geringen Mengen in der Gesamtheit im Gewässer auftreten, so können sie für die Umwelt sich schädigend auswirken. Bei konzentrierten Patientenbehandlungen wie im Krankenhaus ist dies ein größeres Problem.

Es ist also sinnvoll diese vierte Klärstufe nachzurüsten wenn nicht vorhanden, denn somit können die Gewässer und die Wasserlebewesen noch besser geschützt werden. Mehrkosten würden sich beim Haushaltswasserverbrauch mit ca. 20 Cent pro Kubikmeter niederschlagen. Dies dürfte es uns Wert sein.

Bis weit in die 70er-Jahre waren Kläranlagen nur mit der ersten Klär-stufe ausgerüstet  und konnten nur eine Vorreinigung und Abtrennung von Feststoffen bewirken. Hierbei wurden ca. dreiviertel der biologischen Belastung direkt ins Gewässer eingeleitet. In den 50-zigern bis ende der 70-ziger Jahre bedeutete dies eine erhebliche Verunreinigung unserer Gewässer mit der Folge des Einbruchs der Fischbestände  (regional unterschiedlich).

Nach und nach wurden unsere Kläranlagen mit mindestens der zweiten Klärstufe in den 80er- Jahre nachgerüstet, welches zur deutlichen und entscheidenden Verbesserung der Wasserqualität vor allem auch im ländlichen Bereich führte.

Bei größeren Kläranlagen z. B. in Städten wird nach und nach die dritte und vierte Klärstufe nachgerüstet um noch eine effektivere Wasserreinigung zu erzielen. 

 

Kläranlagendaten u. Benthosfauna Fließgewässer 

Klärstufe 1:    Vorreinigung und Abtrennung von Feststoffen

Klärstufe 2:  Biologische Klärstufe eliminiert ca. 90% der Phosphate Amonium und Träger chemischer Substanzen zu 95%. Gebundener Stickstoffabbau zu 80%

Klärstufe 3:   Bewirkt die Reduzierung der Reststickstoffe und      Phosphate mit biologischen und chemischen Verfahren. (z.B. Alu-Eisensalzen zur Ausflockung von Phosphaten).

Klärstufe 4:  Abbau von Restarzneimitteln aller Spurenschadstoffe sowie hormonwirkender Stoffe und Krankheitserreger mittels Ozonung, UV-Bestrahlung, und Aktivkohlefilter.  

BSB5-Wert: Ist der Wert an Sauerstoffbedarf der benötigt wird um biochemisch die Restsubstanzen aus dem geklärten Wasser abzubauen bzw. zu oxidieren.

CSB-Wert:  gibt den Wert an für schwer abbaubare Stoffe der Chloride und des PCB, die in Schwerölen, Kunststoffen, Kühlflüssigkeiten, Lacken, Farben vorkommen.

Amonium –Stickstoffwert (Nitifikationswert) ab Anlagengröße 3 (5 bis 10.000 Einwohnern, Anforderungswert). Bei Anlagengröße 4  ist der Wert für  Gesamt-Phosphor und Gesamt-Stickstoff  (Denitrifikation) einzuhalten, bis 100.000 EW.

Benthosfauna Fließgewässer

Stufe 1: Makrozoobenthos Tiere größer 1mm, Wasserinsekten, Eintags- und Steinfliegenlarven, Köcherfliegenlarven, Flohkrebse, Strudelwürmer, Schnecken,  Schwämme u. s.w.

Stufe 2:  Meiobenthos Tiere zwischen 1 mm und 0,063 mm, Kleinkrebse, Fadenwürmer, Rädertierchen.

Stufe 3:   Mikrobenthos unter 0,065 mm, z. B. Bakterien,    

 

Walter Hammes März 2015  NABU Mitglied


20.09.2014   Wissenschaftliche Untersuchung der Nister als größter Siegzufluß

durch die Universität Koblenz-Landau im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit der ARGE Nister  e.V. Titel „Eutrophierung und Biomanipulation“

 

Die Nister mit einer Gesamtlänge von 85 km Flusslänge ist ein Habitat für die Flussperlmuschel, Lachs und 22 weiteren  Fischarten gelistet in der FFH- Richtlinie (Wied  102 km Flusslänge).

Die Untersuchungen haben ergeben, dass die Nister in den letzten 13 Jahren sich in ihrem Zustand dramatisch verschlechtert hat mit parallelem Einbruch der Fischbestände größer 9 cm.

Es wurde eine zunehmende Massenentwicklung von Algen wie die Grünalge und Kieselalge festgestellt. Im Zuge der Algenentwicklung im Frühjahr und Sommer stellten sich extrem erhöhte pH-Werte von bis zu 9,9 jedes Jahr im gleichen Zyklus ein. Diese entstehen tagsüber und fallen nachts wieder (In der Wachstumsphase der Algen Aufnahme von Kohlendioxyd am Tag aus gelöster und gebundener Kohlensäure im  Wasser,  geringere Säureanteile und somit Entstehung hoher basischer Werte bis 9,9. Kohlensäure H2CO3 wird gespalten in Wasser und Kohlendioxyd, welches zur Photosynthese der Algen benötigt wird).

Das auch im Wasser vorhandene Ammoniak steigt mit Zunahme des ph-Wertes ebenfalls, und weiter mit  steigenden Temperaturen, dass hochgiftig für Fische ist. Nachts kehrt sich der Prozess wieder um. Das gleiche gilt auch für die Sättigung des Sauerstoffgehaltes. Ein Gau für viele Fischarten. (bei 5 Grad bis 25 Grad 4x höher NH3-Wert)

 

Nach Absterben der Algenmassen ab Herbst folgt eine Kolmation des Flussbodengerüstes d. h. ein Zuschwemmen der Hohlräume im Kiesbett mit Sauerstoffzufuhrverhinderung, dem Absterben  der Bakterien, Mikroorganismen,  Pilze, Kleintiere, Wasserinsekten sowie Fischbrut. Somit entsteht eine massive Einbuße der Lebensraumqualität für sämtliche Gewässerorganismen und Unterbrechung der Nahrungskette mit fatalen Folgen. 

 

Nach dem Rückgang der Fischbestände von 1996 bis zum Jahr 1999 um 96 % bezogen auf Fische größer 9 cm, hat sich der Bestand von Kleinfischen wie die Groppe, Elritze und Schmerle stark vermehrt. Von 1995 bis zum Jahr 2009 hat sich die Groppe in ihrem Bestand verzwanzigfacht.

 

Dies ist nur möglich durch das Fehlen von Räubern wie z. B. die Barbe, Döbel, Forelle, Aal, Stachelbarch und Hecht.

 

Die Groppe ist ein effizienter Laich und Jungfischräuber. Ihr Lebensraum überlappt sich mit dem Laich, Larven, der Jungfische und Wasserinsekten. Es entsteht ein extremer Fraßdruck. Auf  1 m 2 wurden bis 4,5 Exemplare der Groppe gezählt. Zum Beispiel das Lachs-Ansiedlungsprojekt Anfang der 9-ziger Jahre mit anfänglichen Erfolgen stagniert und droht zu scheitern. Untersuchungen an der Groppe mit übermäßigen Bestand  hat dies ergeben (Magenuntersuchungen). Der Flussperlmuschel - und Bachmuschelbestand der stabil schien ist bedroht. Nur noch wenige Exemplare sind auffindbar (Wirtfische fehlen). Letztes Vorkommen der Flussperlmuschel im Westerwald an der Nister.

 

Faxt ist durch Kolmation, fehlender lebenswichtiger Sauerstoff, dadurch starker Wasserinsektenrückgang , zusätzlicher Fraßdruck durch hohen Groppenbestand und Elritze somit auch Rückzug der Wasseramsel da kaum Nahrung für sie vorhanden ist (keine Wasseramsel an der Nister mehr in letzter Zeit gesichtet).

 

Der ungebremste Algenwuchs entsteht durch das fehlen Algen fressender Arten wie die Nase, die als dominierende Fischart  in den Gewässern vorkam, sowie die Barbe, Döbel Rotauge, Rotfeder usw. Selbst in den 70ern und 80ern Jahre, wo die Gewässerverschmutzung größer war, kam es zu keiner Algenüberproduktion, auch nicht beim Ausbau von Teilgewässerstrecken. Eine ausgewogene Beschattung des Gewässers ist wichtig, hat sich aber an der Nister nicht verändert.

 

Fische sind ein völlig unterschätzter Bestandteil zur Selbstreinigungskraft der Gewässer als Weidegänger und als Fressfeind für ein ausgeglichenes Ökosystem (270 Tonnen Algenverzehr bei allein 30 Tausend  Nasen im Jahr bei ca. 42 km Flusslänge, (ca. 700 Nasen/km), Algenverzehr 50 g pro Fisch/Tag auf nur 180 Tagen im Jahr hochgerechnet).

 

Der Kormoran als Fischfresser war historisch in den Mittelgebirgen definitiv nicht heimisch. In keiner alten Schrift wird der Kormoran im Gebirgsraum, Landesinnere erwähnt. Bis Mitte der 90-ziger Jahre gab es ein ausgewogenes Verhältnis im Ökosystem Fließgewässer zwischen Jäger und Beutetier. ( z. B. Graureiher, Silberreiher, Störche, Fischotter). Durch das Auftreten des Kormorans ab Mitte der 90-ziger Jahre mit seinem sozialen Verhalten beim Beutezug in Gruppen als intelligenter und effektiver Jäger dringt er massiv negativ in das Ökosystem ein. Von seinen Brutstätten dringt er bis 40km entfernt  in die Fließgewässer vor. Im Februar 1998 drangen 118 Kormorane im Fließgewässer der Nister ein und bejagten die tieferen Wasserzonen wo sich die Fischbestände im Winter aufhielten. Eine Erhebungen des Fischbestandes zeigte , das dieser von 1997 bis 1998 um 95 % ab 9 cm Fischgröße einbrach (Elektrofischen). Von Okt. 12 bis Jan. 13 wurde das Gewässer fast täglich von 10 bis 80 Kormoranen attackiert.

 

Hier kann von einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen Jäger und Beute nicht die Rede sein. 

 

Die größeren Fischarten hatten hierauf keine Antwort. Es folgte ein Artensterben und Verschiebung der Biozönosen. Man bezeichnet dies auch als Invasionsbiologie. Keine Anpassung an Jäger und Beute vorhanden. Hierfür gibt es genügend Beispiele. 

 

Fazit

Ein Schutz des Kormorans als invasive  Art im ländlichen Bereich  zu Lasten der Gewässer als Ökosystem unter diesen Gegebenheiten ist schlicht absurd und mit einem modernen Natur- und Artenschutz unvereinbar.

 

Falsch verstandener Artenschutz zu Gunsten des gebietsfremden Kormorans besiegelt das Schicksal vieler hoch gefährdeter Arten. 

 

Trotz alle dem wurde dieser Vogel im Jahr 2010 vom NABU als  Naturschutzbund  zum Vogel des  Jahres gekürt. Dies ist nicht nachvollziehbar. Welche Vogelart oder sonstige Tierart reguliert eigentlich den Kormoran? (Pro Brut Aufzucht von zwei bis drei Jungen).

  

Das ist wie beim drüsigen Springkraut, hier hat man begriffen welche negativen Auswirkungen es in Uferbereichen von Gewässern und im Umland hat. Es wird ja auch bekämpft. Beim Ökosystem Fließgewässer sind die erheblichen negativen Auswirkungen durch das Fehlen  der oberen Ebene in der Nahrungskette die Fische weitaus  gravierender (Artensterben).    

 

Die Fließgewässerabschnitte der Forellen-Äschen- und Barbenregion die flächendeckend unser Land durchziehen stellen nun mal kleinere begrenzte Ökosysteme dar. Die Fischpopulationsstärken sind begrenzt. Äußere Einflüsse können sich deshalb eher negativ auswirken. Beispiel: Die Präsenz von 100 Kormoranen über 180 Tagen mit 500 g Fischverzehr pro Tag ergibt 9 to. Dies entspricht in der Fischpopulation eines 10m breiten Gewässers einen Flussabschnitt von 90 km Länge. 

 

Dies ist anders in der Vogelwelt, deren Lebensräume erstrecken sich über Landschaften und Länder und sind bei äußeren Einflüssen eher auszugleichen (Ausgewogenes Verhältnis zwischen Jäger und Beutetier)

Erweiterte Dokumentation zu diesem Thema unter „Eutrophierung und Biomanipulation“ sowie „arge nister“, Kormoranfreunde.de, im Internet. Dann die Wasserrahmenrichtlinie EU die bis 1.1.2015 erfüllt sein muss. Sie trat 2000 in Kraft. § 1 der Wasserrahmenrichtlinie.

Zweck des Gesetzes ist eine nachhaltige Gewässerbewirtschaftung sowie Bestandteil des Naturhaushaltes mit Lebensgrundlage für den Menschen und Lebensraum für Tiere und Pflanzen und dessen nutzbares Gut zu schützen. Dies wird aufgrund der Gegebenheiten als Zielsetzung weit verfehlt. 

Ob Geldstrafen in Millionen Euro von der EU nach 2014 verhängt werden?

 

 

Aufgestellt im September 2014 , Walter Hammes ,  NABU Mitglied